Preis für Darmkrebsforschung vergeben

Dr. Anna Kipp erhält den Internationalen Schrauzerpreis für medizinische Selenforschung

4. Internationaler Schrauzer-Preis an Dr. Anna Kipp vergeben für Forschung zu Darmkrebs und Selen

Das essentielle Spurenelement Selen greift steuernd in die Entwicklung und das Wachstum von Zellen ein und hat damit offenbar entscheidenden Anteil an der Entstehung von Darmkrebs – so das Ergebnis der Forschung von Dr. Anna Kipp (DIfE, Potsdam).

Dr. Anna Kipp hatte in ihrer Studie mit Hilfe molekularbiologischer Methoden an Darm- und Blutzellen von Mäusen untersucht, wie sich selbst eine geringe Selenunterversorgung auf das Ablesen der Erbinformation auswirkt, die die Entwicklung neuer Zellen steuert. Schon leichter Selenmangel beeinflusst damit auch, ob gesunde Zellen oder entartete Krebszellen entstehen. Vermutlich laufen die gleichen Mechanismen auch im menschlichen Körper ab.

 Die Wissenschaftlerin, die am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam Rehbrücke (DIfE) arbeitet, konnte damit einerseits die Wirkmechanismen von Selen in den Zellen erhellen, andererseits so genannte Biomarker identifizieren, durch die sich auch geringe Abweichungen der Selenversorgung in den Zellen feststellen lassen.

Dafür hat Dr. Anna Kipp am 14. April in Warnemünde den Internationalen Schrauzerpreis für medizinische Selenforschung bekommen. Dr. Anna Kipp arbeitet am Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam Rehbrücke (DIfE). Die Wissenschaftlerin nahm den mit 5.000 € dotierten Forschungspreis während der „4. Warnemünder Tage für Komplementärmedizin“ entgegen.

„Die Arbeit ist von hoher Relevanz für die Diagnose, Therapie und Prävention von Darmkrebs“, betonte Professor Dr. Josef Köhrle, der Direktor des Instituts für Experimentelle Endokrinologie der Charité in Berlin und Mitglied der Preisjury.

Der „Internationale Schrauzer-Preis“ wurde von der biosyn Arzneimittel GmbH in Fellbach gestiftet und ist dem Doyen der medizinischen Selenforschung, Professor Dr. Gerhard N. Schrauzer, gewidmet. Der Preis wurde bereits zum vierten Mal vergeben.

 biosyn-Geschäftsführer Dr. Thomas Stiefel betonte in Warnemünde, die Forschungsarbeit der 31 Jahre alten Wissenschaftlerin sei gerade für Deutschland von hoher Bedeutung, da Deutschland  als Selenmangelgebiet gilt und das Spurenelement über die hierzulande angebaute Nahrung oft nicht ausreichend aufgenommen werden kann.

Die Studie trägt dazu bei, das therapeutische Potenzial von Selen in der Medizin weiter zu erschließen. Die Selenforschung hat sich in den zurückliegenden Jahren von einer Nischendisziplin zu einem anerkannten, vielversprechenden Forschungsgebiet gemausert. Selenarzneimittel sind heute aus der Intensivmedizin, der Krebstherapie, aus Kardiologie und Gynäkologie sowie bei der Behandlung von AIT, einer Schilddrüsenfunktionsstörung, nicht mehr wegzudenken.

Wer sich für die Hintergründe  und die Details der Forschungen von Dr. Anna Kipp und ihrem Team interessiert, findet eine genaue Darstellung  im Jahresbericht des DIFE, des Deutschen Institutes für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke ab S.65 (www.dife.de/de/publikationen/DIFE-Jahresbericht-2009-2010.pdf).

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung (www.dife.de) ist ein unabhängiges Institut, (Stiftung öffentlichen Rechts und Mitglied der Leibnizgemeinschaft (www.leibniz-gemeinschaft.de), das über sich selber sagt:

„Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) hat die Aufgabe, experimentelle und angewandte Forschung auf dem Gebiet Ernährung und Gesundheit zu betreiben. Das Ziel ist, die molekularen Ursachen ernährungsbedingter Erkrankungen zu erforschen und neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln.  … Dabei konzentriert sich das Institut besonders auf die zur Zeit wichtigsten Erkrankungen, an deren Entstehung ernährungsbedingte Faktoren beteiligt sein können: Adipositas, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.“

 

 

 

 

Prof. Dr. Gerhard Schrauzer

Prof. Dr. Gerhard Schrauzer ist der Doyen der Selenforschung. Heute 80 Jahre alt, ist er noch immer das Vorbild aller erfolgreichen Selenforscher  in der Medizin und Ernährungswissenschaft. Vor allem in der Krebsforschung hat er viel bewegt. Er ist überzeugt, dass das Spurenelement Selen als Schlüsselelement eine viel größere Rolle in unserem Körper spielt als bisher bekannt ist.

[youtube]http://youtu.be/c5TJIx4FyoM[/youtube]

Prof. Dr. Gerhard Schrauzer lebt bei San Diego im Süden von Kalifornien, nahe an der mexikanischen Grenze. Schrauzer wurde 1932 in Franzensbad im heutigen Tschechien geboren, studierte in München Chemie und promovierte 1956 mit Prädikatsexamen. 1964 übersiedelte er in die USA, wo er zwei Jahre später einem Ruf nach San Diego an die University of California folgte.

Bis zu seiner Emeritierung forschte er dort am Biological Trace Element Research Institute.

Er ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften wie der American Chemical Society, der Association of Chemical Scientists und der World Biomedical Selenium Society.

Erster „Selenpreis“ an den Strahlentherapeuten Dr. Ralph Mücke vergeben

Biosyn-Geschäftsführer Dr. Thomas Stiefel, Strahlentherapeut Dr. Ralph Mücke

Der Selenpreis wurde am 14.März 2012 in Warnemünde zum ersten Mal vergebenen – an den Strahlentherapeuten Dr. Ralph Mücke – Leitender Arzt in der Strahlentherapie am Klinikum Lippe-Lemgo. Seine Studien galten 6 Jahre lang Frauen mit Gebärmutterkrebs und der Frage, ob Selenpräparate ihre Lebenserwartung und die Nebenwirkungen (unangenehmer Durchfall) bei der Strahlentherapie verringern können.

Studienergebnis

  • mit Selen leiden Patienten weniger an Durchfall während der Strahlentherapie
  • mit Selen überleben mehr Patienten länger als 10 Jahre

Sein Ergebnis ist interessant: je höher der Selenspiegel im Blut der Patientin ist, umso seltener hat sie Durchfall oder schweren Durchfall. Außerdem stellte der Wissenschaftler in einer Langzeitbeobachtung fest, dass offensichtlich auch ein Zusammenhang zwischen Selen und Überlebenszeit besteht. Von den Patientinnen, die der Selengruppe angehörten, lebten nach zehn Jahren noch 58,8 %, gegenüber 44,8 % in der sogenannten Kontrollgruppe ohne ärztliche Selenversorgung. Damit wurde erneut belegt, dass die zusätzliche Selengabe die Standardtherapie nicht negativ beeinträchtigt.

Dieser Preis ist  mit 2.500 € dotiert und wurde von der biosyn Arzneimittel GmbH, einem forschenden, mittelständischen Pharmaunternehmen, ins Leben gerufen. Die „4. Warnemünder Tage für Komplementärmedizin“ boten den entsprechenden Rahmen.

Biosyn-Geschäftsführer Dr. Thomas Stiefel betonte in Warnemünde, die Forschungsarbeiten  würden einmal mehr belegen, dass Selenarzneimittel heute aus der Intensivmedizin und der Krebstherapie nicht mehr wegzudenken sind.

Wissenschaftliche Veröffentlichung von Dr. Mücke

Auch in der Fachwelt ist Dr. Mücke kein Unbekannter: hier ein Artikel von ihm:

http://extranet.medical-tribune.de/volltext/PDF/2010/MT_Oesterreich/28_mtoe/MTA_28_S03.pdf