Coronavirus: Ernährungsbiologe empfiehlt Selen zur Immunkräftigung

„Der beste Schutz gegen das Virus ist ein schlagkräftiges Immunsystem“, schreibt Dr. Wolfgang Feil auf seinem Blog seiner Forschungsgruppe Dr. Feil. Der promovierte Biologe, Sportwissenschaftler und Ernährungsexperte gibt Tipps, wie man in Coronazeiten sein Immunsystem stärken kann.

Auf seinem YouTube-Kanal erklärt er anschaulich, was man tun kann, um das körpereigene Abwehrsystem zu kräftigen. Dabei komme es vor allem auch auf fünf wertvolle Mikronährstoffe an. „Deutschland ist ein Mikronährstoffmangelland. … Wir haben in vielen Studien nachweisen können, dass Deutschland unterversorgt ist an fünf wertvollen Mikronährstoffen. Das wäre Zink, Selen, Vitamin D3, Vitamin C und Vitamin A. Und interessanterweise sind diese Mikronährstoffe alle bedeutsam im Bereich der Immunstabilisierung … Zink und Selen zusammen erhöhen die Wirkung der natürlichen Killerzellen“, erzählt er in seinem Video.

Auf seinem Blog schreibt er außerdem zum wichtigen Spurenelement Selen: „Selen ist Bestandteil des stärksten körpereigenen Antioxidans, der Glutathionperoxidase. Diese braucht Selen, um wirksam zu sein. Dadurch werden Strukturen im Körper geschützt, so dass diese nicht angegriffen werden. Da Deutschland ein Selen-Mangel-Gebiet ist, sollten Sie deshalb in Phasen hoher Viren- und Bakterienbelastung zusätzlich täglich 150 bis 200 Mikrogramm Selen aufnehmen.“

Kann zu viel Selen schädlich sein?

Eine dauerhafte Selenzufuhr von 300 Mikrogramm täglich gilt laut EU-Richtlinien als absolut unbedenklich. Sogar bei einer täglichen Dosis von 850 Mikrogramm des Spurenelements konnten keine Nebenwirkungen festgestellt werden. In Ausnahmefällen, wie beispielsweise bei lebensbedrohlichen Blutvergiftungen, kann der Arzt sogar auch höhere Tagesdosen verabreichen.

Trotzdem gilt: Die Dosis macht das Gift. Wie bei fast allen Substanzen kann auch das Spurenelement Selen in ganz hoher Konzentration giftig sein. Aber ab welcher Konzentration ist Selen schädlich für den Körper? Für eine akute Vergiftung müsste eine Person mit 70 Kilogramm Körpergewicht mindestens 280.000 Mikrogramm Selen zu sich nehmen. Bei 100 Mikrogramm pro Tablette entspricht das 2.800 Tabletten. Die tödliche Dosis liegt bei 500.000 Mikrogramm – also 5.000 Tabletten bei gleicher Dosierung. Mit Selenpräparaten aus der Apotheke ist es also völlig unmöglich, sich mit dem Spurenlement zu vergiften.

Eine chronische Vergiftung mit Selen nennt man Selenose. Sie kann sich entwickeln, wenn man über viele Monate hinweg täglich 1.000 Mikrogramm Selen oder mehr zu sich nimmt. Die Symptome: knoblauchartiger Atemgeruch, Durchfall, Übelkeit, Bauchschmerzen, Müdigkeit und Haarausfall. Bei längerer Überdosierung können auch Veränderungen der Finger- und Fußnägel, Leberschäden und Störungen des Nervensystems auftreten.

Ein Selenmangel kann übrigens durch ein Blutbild beim Hausarzt nachgewiesen werden. Stellt der Arzt ein Defizit an dem Spurenelement fest, das sich über die Ernährung nicht beheben lässt, bekommt der Patient verschreibungspflichtige selenhaltige Arzneimittel auf Kassenrezept. Voraussetzung: Die Präparate müssen mehr als 70 Mikrogramm Selen als Tagesdosis enthalten. Es lohnt sich also, den Selenstatus testen zu lassen.

Aber wann liegt ein Selenmangel vor, der behandelt werden muss? Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) definiert alle Werte unter 80µg/l Selen im Serum bzw. unter 100µg/l Selen im Vollblut als Selenmangel. Der Referenzbereich für Selen geht im Serum von 80–120µg/l und im Vollblut von 100–140µg/l.

Corona: Selenmangel hilft Viren

Selen ist ein wichtiges Spurenelement und spielt eine zentrale Rolle bei der Wirksamkeit der körpereigenen Abwehr. Viele Menschen leider aufgrund unserer selenarmen Böden an einem Mangel – ohne es zu wissen. In Zeiten der Coronakrise sollten wir darauf achten, dass unser Immunsystem intakt bleibt und unsere Selenzufuhr über die richtige Ernährung und Substitution von anorganischem Selen, bekannt als Natriumselenit, ausreichend ist.

Es gibt sogar Hinweise, dass bestimmte Viren – durch ein Selendefizit – erst zu gefährlichen Krankheitserregern werden. Ein Beispiel dafür ist die in China verbreitete Keshan-Erkrankung. Auslöser dieser Herzmuskelerkrankung ist das Coxsackie-Virus – ein für die Menschen eigentlich harmloser Erreger. In selenarmen Gegenden Chinas kann Selenmangel die Aggressivität dieses harmlosen Virus erhöhen und zur Keshan-Erkrankung führen. Beobachtungen zeigen, dass diese Erkrankung in Gebieten mit guter Selenversorgung selten ausbricht.