Mütterblog empfiehlt Selen während Schwangerschaft

Eine ausreichende Versorgung mit dem Spurenelement Selen während der Schwangerschaft ist wichtig für Mutter und Kind. Bislang ist das allerdings bei den meisten Schwangeren unbekannt. Während die Einnahme von Folsäure schon vor der Schwangerschaft bekannt und gelernt ist, wird über mögliche schwere Folgen eines Selenmangels wenig aufgeklärt.

Das Müttermagazin, eine der größten Onlineplattformen für Mütter in Deutschland, hat sich dem Thema angenommen. In seinem Beitrag „Schwangerschaftskomplikationen: Mit Selen das Risiko verringern“ wird umfangreich erläutert, welche unerwünschten Beschwerden ein Selenmangel in der Schwangerschaft hervorrufen kann. Von der Präeklampsie (auch unter „Schwangerschaftsvergiftung“ bekannt) über eine postpartale Schilddrüsenentzündung bis zum Baby-Blues.

Gerade wer sich vegetarisch oder vegan in der Schwangerschaft ernährt, hat ein höheres Risiko für ein Selendefizit. Empfohlen wird eine Supplementierung von 100 Mikrogramm mineralischem Selen, auch als Natriumselenit bekannt.

Selen: Wichtig für Mutter und Kind in der Schwangerschaft

Die Einnahme von Folsäure vor und während der Schwangerschaft ist für die meisten Frauen selbstverständlich. Aber wie wichtig das Spurenelement Selen für schwangere Frauen ist, ist bei vielen leider unbekannt. Dabei kann die Einnahme von Selen während der Schwangerschaft das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen verringern. Ein Studie hat gezeigt: In der Schwangerschaft kann der Selenstatus bis zu 20 Prozent sinken. Da die Selenversorgung durch die selenarmen Böden in Deutschland ohnehin zu gering ist, sollten Schwangere ihren Selenstatus über ein Blutbild testen lassen.

Welche Komplikationen kann ein Selenmangel in der Schwangerschaft hervorrufen?

Studien haben aufgezeigt, dass ein geringer Selenstatus das Risiko einer Präeklampsie und Frühgeburt erhöht. Eine Präeklampsie ist auch als „Schwangerschaftsvergiftung“ bekannt. Sie ist eine der häufigsten und schwersten Komplikationen während der Schwangerschaft. Es handelt sich hierbei um eine Bluthochdruckerkrankung. Typische Symptome: Benommenheit, Schwindel, Sehstörungen und Augenflimmern, starke Kopfschmerzen und allgemeines Unwohlsein durch Übelkeit oder Erbrechen.

Auch das Risiko nach der Entbindung an einer postpartalen Depression zu erkranken ist bei einem Selenmangel höher. Ein ausreichender Selenstatus wirkt sich außerdem positiv auf die kognitive Entwicklung des Säuglings aus.

Selen ist auch für die Schilddrüse von großer Bedeutung – gerade in der Schwangerschaft und bei familiären Vorbelastungen. Denn das Spurenelement wandelt als Teil eines Enzyms das Schilddrüsenhormon Thyroxin (T4) in seine aktive Form, das T3 (Triiodthyronin) um. Das T3 hat eine ganz bedeutende Funktion während der Schwangerschaft: Es steuert wichtige Stoffwechselvorgänge wie das embryonale Wachstum und die Entwicklung des Gehirns. Liegt ein Selenmangel vor, steigt also auch das Risiko an einer Schilddrüsenentzündung zu erkranken.

Studien zeigen: Eine rechtzeitige Einnahme von 200 Mikrogramm Selen kann bei Schwangeren das Risiko für eine postpartale Schilddrüsenerkrankung reduzieren. Kleiner Tipp: Selen sollte als anorganisches Natriumselenit eingenommen werden, weil anorganisches Selen vom Körper sehr viel schneller und besser aufgenommen wird als organisches Selen. Und: Eine plötzlich auftretende Schilddrüsenerkrankung kann übrigens auch die Ursache für eine Wochenbett-Depression sein.

Selen gegen Wochenbettdepression

Mutter zu werden ist für die meisten Frauen das größte Glück. Bei manchen Frauen kommt es nach der Entbindung aber ganz unerwartet zu einer tiefen Traurigkeit – gepaart mit großer Erschöpfung und mit Versagensängsten. Hält dieses Stimmungstief länger an, liegt möglicherweise ein Baby-Blues vor. Das Stimmungstief beginnt drei bis fünf Tage nach der Entbindung. Ein Grund dafür: die schlagartige hormonelle Umstellung. Die Schwangerschaftshormone Östrogen und Progesteron bilden sich zurück, während der Körper Prolaktin für die Milchbildung produziert.

Neben der Hormonveränderung kommt es auch häufig zu Stress durch Schlafmangel, körperliche Strapazen der Geburt und die neue Verantwortung als Mutter. In den meisten Fällen ist der Spuk der Gefühle nach spätestens zwei Wochen wieder vorbei. Hält das Stimmungstief allerdings länger als vier Wochen an, kann das ein Zeichen einer postpartalen Depression oder auch Wochenbettdepression sein.

Eine Ursache für diese Depression könnte in einer noch nicht diagnostizierten Schilddrüsenunterfunktion liegen – der Hashimoto-Erkrankung (Autoimmun-Thyreoiditis). Studien weisen darauf hin, dass ein Grund für diese Erkrankung auch auf eine Unterversorgung des Spurenelements Selen zurückzuführen sein kann.

Während der Schwangerschaft ist der Selenbedarf erhöht, weil das Baby für die Entwicklung zusätzlich Selen benötigt. Die Studien zeigen, dass die Einnahme von Selen während der Schwangerschaft den Ausbruch einer Hashimoto-Erkrankung und einer Wochenenddepression häufig vorbeugen kann.

Selen als Kassenleistung

Niedrig dosierte Selenarzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel mit Selen müssen selbst bezahlt werden. Stellt der Arzt jedoch einen Mangel an dem Spurenelement fest, der sich über die Ernährung nicht beheben lässt, bekommt der Patient verschreibungspflichtige selenhaltige Arzneimittel auf Kassenrezept. Voraussetzung: Die Präparate müssen mehr als 70 Mikrogramm Selen als Tagesdosis enthalten.

Zu niedrige Selenwerte können langfristig der Gesundheit schaden. Müdigkeit, Haarausfall, Arthritis, Muskelschwäche oder Leberfunktionsstörungen können Anzeichen von einem Mangel sein. Außerdem ist das Spurenelement für die Schilddrüse notwendig. Denn es gewährleistet eine ausgewogene Versorgung des Organismus mit Schilddrüsenhormonen.

Aber wann liegt ein Selenmangel vor, der behandelt werden muss? Der Selenstatus lässt sich über das Blut feststellen. Ein Mangel liegt vor, wenn der vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte festgelegte Referenzwert unterschritten wird. Er liegt im Vollblut bei 100–140 µg/l (entspricht ca. 80–120 µg/l im Serum).

Der Blutwert wird vom Arzt bestimmt. Wer wissen möchte, ob ein Selenmangel vorliegt, kann aber auch einen Test bei einem externen Anbieter durchführen lassen. Seit vielen Jahren bietet beispielsweise das Servicelabor der biosyn Arzneimittel GmbH bei Stuttgart diese Möglichkeit an. Ein weiterer Anbieter ist hier zu finden. Die Selbsttests sind einfach zu händeln. Das Fachlabor teilt die Messwerte, eine Beurteilung der Ergebnisse und einen Vergleich mit den Referenzwerten mit.