Bin ich ausreichend mit Selen versorgt?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine tägliche Selenzufuhr für Erwachsene von 70 Mikrogramm. Fakt ist: Die durchschnittliche Aufnahme liegt in Deutschland deutlich unter der empfohlenen Menge – bei rund 30 bis 40 Mikrogramm. Der Grund sind unsere selenarmen Böden. Und eine vermehrt fleischreduzierte oder fleischlose Ernährung wie bei Vegetariern oder Veganern. Denn rund 40 Prozent unseres Selenbedarfs decken wir über Fleisch und Meeresfisch ab. Auch Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit sollten auf ihren Selenstatus achten, weil – neben Fleisch – auch Getreide ein wichtiger Selenlieferant ist.

Wie kann ich meinen Selenstatus messen?

Der Selenstatus kann über das Blut ermittelt werden. Ein Mangel an dem wertvollen Spurenelement liegt vor, wenn die Selenkonzentration geringer als 80 Mikrogramm pro Liter (µg/l) im Blutserum oder geringer als 100µg/l im Vollblut ist. Der Referenzbereich in Deutschland: 80 bis 120µl/l im Serum und 100 bis 140µg/l im Vollblut. Der Selenstatus aus dem Vollblut ist aussagekräftiger, weil dieser Wert die Langzeitversorgung darstellt. Der Wert aus dem Blutserum zeigt die aktuelle Selenversorgung. Es ist also durchaus möglich, dass im Vollblut noch ein Selenmangel nachzuweisen ist, während der Serumwert bereits einen normalen Selenstatus aufweist.

Der Blutwert kann vom Arzt bestimmt werden. Wer wissen möchte, ob ein Selenmangel vorliegt, kann aber auch einen Test bei einem externen Anbieter durchführen lassen. Seit vielen Jahren bietet beispielsweise das Servicelabor der biosyn Arzneimittel GmbH bei Stuttgart diese Möglichkeit an. Ein weiterer Anbieter ist hier zu finden. Die Selbsttests sind einfach zu händeln. Das Fachlabor teilt die Messwerte, eine Beurteilung der Ergebnisse und einen Vergleich mit den Referenzwerten mit.

Selen auf Rezept

Übrigens: Stellt der Arzt einen Selenmangel fest, der sich über die Ernährung nicht beheben lässt, bekommen Patient verschreibungspflichtige selenhaltige Arzneimittel auf Kassenrezept. Voraussetzung: Die Präparate müssen mehr als 70 Mikrogramm Selen als Tagesdosis enthalten.

Kann zu viel Selen schädlich sein?

Eine dauerhafte Selenzufuhr von 300 Mikrogramm täglich gilt laut EU-Richtlinien als absolut unbedenklich. Sogar bei einer täglichen Dosis von 850 Mikrogramm des Spurenelements konnten keine Nebenwirkungen festgestellt werden. In Ausnahmefällen, wie beispielsweise bei lebensbedrohlichen Blutvergiftungen, kann der Arzt sogar auch höhere Tagesdosen verabreichen.

Trotzdem gilt: Die Dosis macht das Gift. Wie bei fast allen Substanzen kann auch das Spurenelement Selen in ganz hoher Konzentration giftig sein. Aber ab welcher Konzentration ist Selen schädlich für den Körper? Für eine akute Vergiftung müsste eine Person mit 70 Kilogramm Körpergewicht mindestens 280.000 Mikrogramm Selen zu sich nehmen. Bei 100 Mikrogramm pro Tablette entspricht das 2.800 Tabletten. Die tödliche Dosis liegt bei 500.000 Mikrogramm – also 5.000 Tabletten bei gleicher Dosierung. Mit Selenpräparaten aus der Apotheke ist es also völlig unmöglich, sich mit dem Spurenlement zu vergiften.

Eine chronische Vergiftung mit Selen nennt man Selenose. Sie kann sich entwickeln, wenn man über viele Monate hinweg täglich 1.000 Mikrogramm Selen oder mehr zu sich nimmt. Die Symptome: knoblauchartiger Atemgeruch, Durchfall, Übelkeit, Bauchschmerzen, Müdigkeit und Haarausfall. Bei längerer Überdosierung können auch Veränderungen der Finger- und Fußnägel, Leberschäden und Störungen des Nervensystems auftreten.

Ein Selenmangel kann übrigens durch ein Blutbild beim Hausarzt nachgewiesen werden. Stellt der Arzt ein Defizit an dem Spurenelement fest, das sich über die Ernährung nicht beheben lässt, bekommt der Patient verschreibungspflichtige selenhaltige Arzneimittel auf Kassenrezept. Voraussetzung: Die Präparate müssen mehr als 70 Mikrogramm Selen als Tagesdosis enthalten. Es lohnt sich also, den Selenstatus testen zu lassen.

Aber wann liegt ein Selenmangel vor, der behandelt werden muss? Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) definiert alle Werte unter 80µg/l Selen im Serum bzw. unter 100µg/l Selen im Vollblut als Selenmangel. Der Referenzbereich für Selen geht im Serum von 80–120µg/l und im Vollblut von 100–140µg/l.

Selenmangel kann Brustkrebsrisiko erhöhen

Unsere Böden in Deutschland sind selenarm. Schon der durchschnittliche gesunde Deutsche weist häufig einen zu niedrigen Selenstatus auf. Besonders häufig tritt der Selenmangel aber bei Risikogruppen auf. Eine davon sind Patientinnen mit Brustkrebs.

Bereits in den siebziger Jahren wurde bekannt, dass ein niedriger Selenwert das Risiko an Brustkrebs zu erkranken, erhöhen kann. Eine neue Studie zeigt, dass der Selenstatus bei Brustkrebspatientinnen großen Einfluss auf die Prognose der Krebserkrankung hat. Die Forschungen verdeutlichen, dass die Selenkonzentrationen höher als 64,4 µg/l vor einer Behandlung des Brustkrebses sein sollten. Bei Frauen mit einem adäquaten Selenstatus lag die Überlebensrate wesentlich höher – nach fünf Jahren lag sie bei 82,5 Prozent, während sie bei Patientinnen mit einem ausgeprägten Selenmangel nur noch bei 68,1 Prozent lag.

Wie kann man den Selenstatus verbessern? Selen wird über die Nahrung aufgenommen und kommt vor allem in Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten, Getreide, Eiern und Milchprodukten vor. Für Menschen, die sich gesund ernähren und auf tierische Produkte verzichten, wie Vegetarier oder Veganer, ist es schwer, genug Selen über die Nahrung aufzunehmen.

Paranüsse, die als Selenlieferanten sehr beliebt sind, sollten nur ganz reduziert gegessen werden, weil sie häufig das krebserregende Schimmelpilzgift Aflatoxin enthalten, das stark radioaktiv belastet ist. Der Verzehr von zwei Paranüssen am Tag erhöht schon die radioaktive Belastung. Auch Experten vom Bundesamt für Strahlenschutz empfehlen aus diesem Grund, den Selenstatus lieber durch Nahrungsergänzungsmittel zu verbessern.