Über Selen

Was ist Selen

Selen ist ein Spurenelement: Benannt ist es wegen seines silbrig-grauen Glanzes nach der griechischen Mondgöttin Selene. Es wurde durch den schwedischen Chemiker Jöns Jakob Berzelius entdeckt – im bleihaltigen Klärschlamm einer Schwefelsäurefabrik. Das war im Jahr 1817. Es dauerte noch über 150 Jahre, bis die Wissenschaftler feststellten, dass das Spurenelement auch im menschlichen Körper vorhanden ist. Das war Mitte der 1970-er Jahre. Seitdem befasst sich die Wissenschaft intensiv mit dem Thema Selen.

Selen im menschlichen Körper

Natürlich ist Selen auch im menschlichen Körper enthalten. Nach Angaben von Experten liegt der Bestand bei etwa 10 bis 15 Milligramm. Es kommt in den Muskeln vor. Die höchste Konzentration befindet sich in der Leber. Das Spurenelement ist auch in der Milz, Herz sowie Nägeln und Zahnschmelz enthalten. Die Verteilung des Selens im Körper scheint von der Ernährung abhängig zu sein. Es wird von den oberen Abschnitten des Dünndarms aufgenommen und vor allem über den Urin ausgeschieden.

Die Verarbeitung im menschlichen Körper

Die Aufnahme von Selen erfolgt in der Regel durch die Nahrung. Natürliche Quellen des Spurenelements sind Seefisch oder auch Meeresfrüchte, Innereien wie Leber und Niere, sowie Eigelb oder Hülsenfrüchte wie Erbsen, Linsen oder Bohnen.

Die Aufnahme des Spurenelements kann von der Zusammensetzung der Nahrung beeinflusst werden – beispielsweise durch andere Bestandteile  die in Lebensmitteln vorkommen – wie unter anderem Sulfat oder Vitamine. Die Verarbeitung des durch die Nahrung aufgenommenen Selens erfolgt hauptsächlich durch den Darm. Er ist lechzt praktisch nach Selen, egal ob es aus der Nahrung stammt oder von Nahrungsergänzungsmitteln.

Selenzufuhr

Oftmals reicht die Zufuhr von Selen durch die Nahrung nicht aus: Die Schätzwerte für eine angemessene tägliche Selenzufuhr liegen laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) bei 30 bis 70 Mikrogramm für Jugendliche und Erwachsene. Diese Empfehlung gilt auch für schwangere und stillende Frauen. Für Kinder zwischen dem ersten und siebten Lebensjahr liegt dieser Wert bei 10 bis 45 Mikrogramm,  im Alter von sieben bis zehn Jahren bei 20 bis 50 Mikrogramm und für Kinder von zehn bis 15 Jahren bei 25 bis 60 Mikrogramm.

Bei der Einnahme von Selen-Tabletten oder die Aufnahme über die Nahrung beträgt die Bioverfügbarkeit zwischen 60 bis 100 Prozent. Das ist aber abhängig von der jeweiligen Selenverbindung und den begleitenden Nahrungsbestandteilen. Als Infusion oder Injektion beträgt die Bioverfügbarkeit 100 Prozent.

Was macht Selen

Selen ist ein Spurenelement. Es wird im menschlichen Körper als Baustein für zahlreiche Enzyme benötigt. Es ist auch zuständig für den Schutz von Zellen vor der Schädigung durch Sauerstoffradikale beispielsweise bei Entzündungen, sowie für die Aktivierung der Schilddrüsenhormone. Ferner spielt es eine Rolle bei der Regulierung der Zellteilung. Selen dient zur Stärkung des Abwehrsystems und wird gleichfalls für die Fruchtbarkeit von Männern benötigt.

Selen in der Medizin

Die Einsatzmöglichkeiten von Selen in der Medizin sind in verschiedenen Bereichen gegeben: Zur Stärkung der Abwehrkräfte, bei der Behandlung von Ödemen, zur Vorbeugung von Krebs (besonders bei Männern), zur Reduktion von Strahlenschäden bei Bestrahlungspatienten und nach der ersten Phase der Krebstherapie zur Vorbeugung von weiteren Geschwüren.

Die Wirkungsweise von Selen zur Vorbeugung vor Krebs ist umstritten. Aber wissenschaftlich belegt ist, dass das Spurenelement bei entzündlichen Schilddrüsenerkrankungen hilft, die Todesfallrate bei Sepsis in der Intensivmedizin senkt, die Rückbildung von Ödemen fördert sowie zur Reduzierung von Strahlenschäden nach Bestrahlung von Krebspatienten beiträgt.

Selenmangel

Selenmangel kann für jeden  mit dem bloßen Auge sichtbar sein: An erster Stelle sind hier Nagelveränderungen sowie auch dünne, schuppige und blasse Haut anzuführen oder auch eine, Aufhellung der Haare. Der Mangel des Spurenelements kann auch zu  Störungen der Leber, Erkrankungen der Muskulatur mit Muskelschwäche oder zu Erkrankungen des Herzmuskels führen. Zu wenig Selen kann auch eine Unterfunktion der Schilddrüse bewirken. Die Folge ist, dass zu wenig von den Schilddrüsenhormonen produziert wird.

Generell führt eine Mangelerscheinung auch zu einer Schwächung des menschlichen Immunsystems. Die Folge: Der Betroffene  ist anfälliger für krankmachende Stoffe, wie Viren oder Umweltgifte. Ernst zu nehmende wissenschaftliche Studien kommen außerdem zu dem Schluss, dass Selenmangel  zur Entstehung von Bluthochdruck und verschiedenen Herzkrankheiten beitragen und die Häufigkeit bösartiger Tumoren erhöhen kann.

Extremer Selenmangel kommt in den Industriestaaten kaum vor: Er kann beim Menschen verschiedene Krankheiten verursachen. Dazu gehören die Keshan-Krankheit, die Kaschin-Beck-Krankheit und der myxödematöse endemische Kretinismus. Bei der Keshan-Krankheit kommt es infolge der Mangelerscheinung  zu einer eine Erkrankung des Herzmuskels. Dadurch wird das Herz geschwächt. Betroffene leiden an Müdigkeit, verminderter Leistungsfähigkeit, Atembeschwerden und Ansammlung von Wasser in den Geweben, sogenannten Ödemen. Vor allem  Kinder und Jugendliche sind von der Keshan-Erkrankung betroffen. Gehäuft kommt sie in Tibet, in der Mongolei und in Sibirien vor.

Bei der Kaschin-Beck-Krankheit bildet sich wegen des Selenmangels der Gelenkknorpel zurück. Betroffene leiden an einer Arthrose mit Gelenk- und Rückenbeschwerden und an Wachstumsstörungen mit Kleinwuchs. Diese Erkrankung kommt insbesondere in Sibirien, in der Mongolei, in Nordkorea und in China vor.

Beim sogenannten myxödematösen endemischen Kretinismus führt der Selenmangel zu einem  Mangel an Schilddrüsenhormonen während der Schwangerschaft. Dieser Schilddrüsenhormonmangel stört die Entwicklung der Knochen und des Nervensystems beim ungeborenen Kind. Das Kind kann geistig und körperlich schwer behindert sein.

Überdosierung

Zu viel Selen ist auch nicht sinnvoll: Symptome einer akuten Überdosierung sind unter anderem knoblauchartiger Atemgeruch, Müdigkeit, Übelkeit, Durchfall und Bauchschmerzen.

 

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